Spannen wir das Pferd von hinten auf. Adrian Buschmann sagt Sachen wie: “Genauso wie ich die großformatigen (Bilder) letztendlich für Menschen male, die denen in den Bildern ähneln, male ich die kleinen Bilder für die Großen”, und deklariert somit kurzum die Legitimation des Bilder-anderen-Bildern-Widmens.

Mit derselben Souveränität schlüpft er in das Schaffen jener verstorbener Kollegen, in deren Werke er Nähe zur eigenen Arbeit erkennt. Die Deleuz’sche enculage heraufbeschwörend, macht Buschmann seinen Vorgängern sozusagen posthum Bastarde. Womöglich schwingt das beiläufig im Titel der Ausstellung mit, der auf italienisch fröhlich klingt, sich aber ins Deutsche mit “befleckt” übersetzen lässt. Die Werke verschiedenster Künstler benutzt er als Urlaub von der eigenen Person. Weitere Formen von Distanz bewirkt er beispielsweise durch das Herauslösen bestimmter Linien in den kleinformatigen Bildern, das bereits in den Großen vorkommt. Entscheidend für ihn in dieser Hinsicht sind rein ästhetische Gesichtspunkte. Anhand solcher Dekontextualisierung werden Teile seines Oeuvres gleich in das Genre der Abstraktion verortet. All diese Facetten der Entfremdung eröffnen dem Betrachter einen Spielraum, der die Hemmschwelle zur Eigeninterpretation bedeutend verringert.

Unterstützt wird dies ferner durch den Verzicht auf Autorenschaftsansprüche, der  seiner Herangehensweise innewohnt. Signifikant für die Ausstellung ist, dass er seine 2015 begonnene Auseinandersetzung mit den Arbeiten des polnischen Künstlers Leon Chwistek wieder aufgreift. Ein Gedanke, den er einerseits gerne zu Ende gedacht haben möchte und welcher andererseits angesichts des eigenen Szenenwechsels, vom ligurischen Meer zurück in die Stadt, neu herangezogen werden darf. Chwistek’s Zeichnungen illustrieren eine privilegierte Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich wohl hauptsächlich in Vergnügungen zu zerstreuen sucht. Buschmann’s hyperminimale malerische Coverversionen tragen die bei Chwistek implizierten feingesellschaftlichen Gebärden in die Gegenwart. Kontemporäre Signa wie Geräte oder aktuelle Mode unterlässt er, weil er findet, dass sich ohnehin wenig am Wesentlichen geändert hat. Buschmanns Interesse bezieht sich somit mehr auf Affekte und Formen, als auf Äußerlichkeiten. Die Gegenwartsfähigkeit der Bilder, die er okkupiert, ist dadurch gegeben. Die Rolle des Striches nimmt eine dermaßen große Rolle ein, dass sich Referenzen hierzu gelegentlich im Titel in Form von Wortspielen finden. So zum Beispiel beim Werk “SS2018”, ein in der Mode verwendetes Kürzel für Spring/Summer, hier eingesetzt um auf S-förmige Linien in der Silhouette der beiden im Bild dargestellten Figuren hinzuweisen.

Adrian Buschmann

Rosa Schatten, 2018
Öl auf Leinwand / Teakholz
38 x 48,5 x 3 cm

Adrian Buschmann

Brillant Gelb und Teak, 2018
Öl auf Leinwand / Teakholz
38 x 48,5 x 3 cm

Adrian Buschmann makes statements such as: ‘Just as I paint the larger ones [sic paintings] for people who look like those in them, I paint the small ones for their big siblings.’, thus legitimising the dedication of paintings to other paintings.

With the same sovereignty he slips into the opus of passed away fellows in which he detects vicinage to his own works. Evoking Deleuze’s enculage , Buschmann produces in a manner of speaking their posthum bastards. Perhaps this resonates incidentally with the title of the exhibition, which sounds cheerful in Italian (macchiato), but whose meaning, translated to German or English (maculose), reveals a more sinister and awkward tone. To Buschmann, works of other artists resemble a holiday from himself. By dislocating particular lines from the large paintings onto the smaller ones as another method of distancing, and with aesthetic considerations alone as criteria, such decontextualisation shifts parts of his oeuvre to the genre of abstraction. All these facets of separation and estrangement beget a space with diminished barriers to the onlooker’s own interpretations.

This is further being supported by the disclaimed authorship inherent in the artist’s approach. Significant for this exhibition is Buschmann’s revisit of Leon Chwistek’s works, an endeavour the artist was already occupied with in 2015. Given his change of residence, from the Ligurian Sea back to the city, Buschmann sensed that there were contemplations that still called for completion, especially in the now “new” environment.

Chwistek’s drawings depict socialites at the early 20th century, a privileged circle on the quest for pleasure above all. The gestures in Chistwick’s illustrations imply refinement. Buschmann transports them via hyper-minimalist pictorial cover versions into the present. Contemporary insignia, such as fashion and devices, are missing completely, as essentials never have seemed to have changed anyway. The artist’s attention is therefore more geared towards affects and forms than this kind of formalities, which further assures the even transference of the pictures he occupies to the current. Lines bear such a weight in Buschmann’s body of work, that references can be frequently found in the titles of the paintings, sometimes as puns: i.e. the painting titled “SS2018”, in the world of fashion commonly used to abbreviate Spring/Summer, but used here to hint at the silhouette of the figures depicted in the painting.

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